Dokumentation: Zukunftskongress Bildung 2014 | #zkb14

Die Zusammenfassung

Wir werden weiterhin konsequent dafür eintreten, dass sich Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem verbessert und Talent und Leistung über den Bildungserfolg entscheiden und nicht Einkommen oder Herkunft der Eltern. Wir sorgen dafür, dass sich alle Kinder und Jugendlichen bestmöglich entfalten können.

Darum bauen wir die frühkindliche Bildung, die Ganztagsbetreuung, das individualisierte Lernen und die individuelle Förderung konsequent aus. Die Chancen von Flüchtlingskindern sind uns ein besonderes Anliegen.

Im Pakt des Landes mit den Kommunen haben wir viel Geld in die Hand genommen, um dazu beizutragen, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Unter-Dreijährige umzusetzen. Mit einem neuen Landesinvestitionsprogramm stellen wir sicher, dass der Ausbau der Kleinkindbetreuung auch in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben werden kann.

Im Doppelhaushalt 2015/16 werden die Mittel für die Kleinkindbetreuung um insgesamt 190 Millionen Euro aufgestockt. Damit beträgt die Landesbeteiligung an der Kleinkindbetreuung 660 Millionen Euro im Jahr 2015 und 795 Millionen Euro im Jahr 2016. Zudem wird 2015 ein einmaliges Landesinvestitionsprogramm in Höhe von 50 Millionen Euro aufgelegt. So sorgen wir für beste Bildungschancen von Anfang an und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Mehr Kinder in Kindertagesstätten verlangen aber auch mehr qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher. Durch neue Konzepte (PIA) haben wir die Ausbildung für noch mehr Menschen attraktiver gemacht und gewinnen auch mehr Männer für den Erzieherberuf. Wir haben die gesetzlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich möglichst viele Grundschulen hin zu Ganztagsschulen entwickeln können.

Ganztagsangebote sorgen dafür, dass die Bildungserfolge von der sozialen Herkunft der Schüler entkoppelt werden. Zudem tragen auch sie dazu bei, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. 164 Grundschulen und 15 Förderschulen sind bereits mit dem neuen Ganztagsschulkonzept gestartet.

Unser Ziel ist es, dass bis in 10 Jahren 70 Prozent der Grundschulen und der Grundstufen von Förderschulen Ganztagsschulen sind. Für die neuen Ganztagsgrundschulen haben wir für die nächsten beiden Jahre zusätzliche Ressourcen im Umfang von 572 Deputaten eingeplant – das entspricht einem Finanzvolumen von über 28 Millionen Euro.

Mit inzwischen über 1000 neuen Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeitern haben wir die Betreuung und Unterstützung für Schülerinnen und Schüler deutlich verbessert. Und wir haben  dieses Angebot für alle Schulen geöffnet, denn für uns ist Schule nicht nur ein Lernort, sondern eine soziale Gemeinschaft.

Wir haben die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft und den Eltern damit die Verantwortung und das Entscheidungsrecht für die Wahl der weiterführenden Schule gegeben. Mit der Gemeinschaftsschule ermöglichen wir längeres gemeinsames Lernen und durch bestmögliche individuelle Lernformen wird diese Schulart der Unterschiedlichkeit der Schüler gerecht.

Die Schülerinnen und Schüler lernen miteinander und voneinander und entwickeln dadurch auch wichtige soziale Kompetenzen. Wir haben mit der regionalen Schulentwicklung einen wichtigen Schritt unternommen, der seit Jahren notwendig war. Wir sorgen dafür, dass trotz rückläufiger Schülerzahlen die Jugendlichen in erreichbarer Nähe alle Bildungsabschlüsse erreichen können.

überdies bieten wir den Kommunen die Möglichkeit, Schulen mit sehr guten pädagogischen Bedingungen zu schaffen bzw. zu erhalten und verbessern damit die Durchlässigkeit des Bildungssystems in der Fläche. Wir gestalten den Weg vom dreigliedrigen Schulsystem mit starrer Abgrenzung zu zwei gleichberechtigten Säulen erfolgreich. Individuelle Förderung ist eines der Leitziele des baden-württembergischen Gymnasiums.

Wir möchten für jede Schülerin und für jeden Schüler das bestmögliche Bildungsangebot schaffen und dabei die hohe Qualität des baden-württembergischen Gymnasiums wahren.

Wir wollen, dass Realschulen mehr Abschlüsse anbieten können (auch den Hauptschulabschluss), um ihnen ein breiteres Angebot zu ermöglichen. Damit stellen wir sicher, dass Schülerinnen und Schüler der Realschule noch besser entsprechend ihrer Begabung unterrichtet werden können.

Vorgesehen ist ferner, dass für jeden Schüler der Realschule nach einer zwei Jahre dauernden Orientierungsstufe festgelegt wird, auf welchem Niveau er im darauffolgenden Schuljahr lernt. Die Niveauzuweisung kann nach jedem Schuljahr angepasst werden.

Damit die Realschulen dieses Konzept erfolgreich umsetzen können, streben wir eine nachhaltige Verbesserung der Ressourcenausstattung an. Zum Schuljahr 2016/17 sollen die Realschulen deshalb 500 neue Lehrerstellen erhalten. Damit stellen wir sicher, dass Schüler der Realschule noch besser entsprechend ihrer Begabung unterrichtet werden können.

Wir werden Eltern ein Wahlrecht einräumen, ob ihre Kinder mit Behinderungen in allgemeine Schulen oder in Sonderschulen gehen sollen. So bringen wir die wichtige Aufgabe der Inklusion voran. Das Land hat zu diesem Schuljahr bereits 200 zusätzliche Deputate bereitgestellt, um dieses wichtige Vorhaben auch im Vorfeld der Gesetzesänderung voranzubringen.

Wir haben die Duale Ausbildung durch eine bessere Unterrichtsversorgung gestärkt, der Unterrichtsausfall an den Beruflichen Schulen hat dadurch den niedrigsten Stand erreicht (2013/14: 2,2 % | 2010/11: 4,4 %).

Mit der im Land gelebten Sozialpartnerschaft von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der öffentlichen Hand haben wir den Spitzenplatz mit der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeit in Europa weiter ausbauen können.

Mit der Fachkräfteallianz, der Reform des übergangsystems zwischen Schule und Beruf und der Berufsorientierung sowie dem Fach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ ab Klasse 7 wollen wir eine Ausbildungsgarantie für jeden jungen Menschen in Baden-Württemberg erreichen. 

Baden-Württemberg ist ein starker Standort, vor allem dank der fähigen Hände und klugen Köpfe, den Fachkräften in unserem Land, die Tag für Tag außergewöhnliches leisten. Bereits heute macht sich in bestimmten Berufen ein Fachkräftemangel bemerkbar.

Diese Entwicklung wird sich durch die demografische Entwicklung in Zukunft noch verstärken. Wir haben diese Entwicklung bereits früh erkannt und Strukturen geschaffen um dieser Herausforderung zu begegnen.

Wir haben die Fachkräfteallianz ins Leben gerufen und mit allen Akteuren der Fachkräftesicherung eine gemeinsame Strategie vereinbart, die wir nun Schritt für Schritt umsetzen.

Ein ganz wesentlicher Ansatzpunkt einer erfolgreichen Fachkräftesicherung ist es, möglichst viele Menschen für den Arbeitsmarkt zu gewinnen und auch zu halten. Dafür brauchen wir eine zeitgemäße Aus- und Weiterbildung.

Im Bereich der Ausbildung verfolgen wir ein klares Ziel: wir wollen, dass jeder Jugendliche die Chance Ausbildung ergreift. Jedem jungen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen und diese vor allem auch erfolgreich abzuschließen – das wollen wir erreichen.

Denn wir können es uns als Land schlichtweg nicht erlauben, fähige Jugendliche – die Fachkräfte von morgen – zurück zu lassen. Deswegen müssen wir Jugendliche und ihre Eltern über die Chancen einer Ausbildung informieren und wir müssen Jugendliche für die Ausbildung begeistern.

Wir müssen sicherstellen, dass der übergang von der Schule in den Beruf gut gelingt. Wir brauchen eine frühe Berufsorientierung und müssen dafür sorgen, dass eine Ausbildung nicht nur begonnen, sondern auch erfolgreich abgeschlossen wird.

Mit dem Ausbildungsbündnis setzen wir die erfolgreiche Zusammenarbeit aller Akteure im Bereich der Ausbildung fort und werden es zukunftsfähig weiterentwickeln. Um mehr junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, haben wir bereits 2011 die Initiative Ausbildungsbotschafter gestartet.

Rund 3.000 speziell geschulte Ausbildungsbotschafter aus 150 Berufen werben derzeit an Schulen. Sie vermitteln den Jugendlichen aus erster Hand die Chancen und Vorteile eine betriebliche Ausbildung. Rund 3.400 Schuleinsätze fanden statt und bereits 80.000 Schülerinnen und Schüler wurden damit erreicht. Diese Initiative ist Teil der Ausbildungskampagne „gut-ausgebildet.de“. In mehr als 50 Videofilmen werden Berufe online vorgestellt.

Damit leisten wir auch einen wichtigen Beitrag dazu, für die Gleichwertigkeit von beruflicher Ausbildung und einem Studium zu werben. Denn Baden-Württemberg braucht ausgebildete und studierte Fachkräfte gleichermaßen.

Doch weil es unser Ziel ist, alle Jugendliche zu erreichen, müssen wir uns auch gezielt um die kümmern, die es bisher besonders schwer hatten eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Deswegen sorgen wir dafür, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund einen Ausbildungsabschluss erwerben.

Im letzten Jahr verfügte jeder Vierte zwischen 25 und 35 Jahren mit Migrationshintergrund über keinen beruflichen Bildungsabschluss. Der Anteil beim gleichen Personenkreis ohne Migrationshintergrund lag bei nur rund 7 Prozent.

Deswegen fördern wir Berufswerber, die Jugendliche und ihre Eltern mit Migrationshintergrund gezielt über die „Chance Ausbildung“ informieren. 3 Wir haben ein Konzept für die Neugestaltung des übergangs von der Schule in den Beruf vorgelegt, damit mehr Jugendlichen der direkte Einstieg in eine Ausbildung gelingt.

Dafür setzen wir auf noch mehr Berufsorientierung, individuelle Förderung und ein regionales übergangsmanagement. Im September dieses Jahres haben sich vier Modellregionen daran gemacht, das Konzept zu erproben. Unser Ziel ist es, dieses Konzept bei Erfolg landesweit zu etablieren.

Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden haben wir bereits 2012 das Modellprojekt „Abbruch vermeiden – Ausbildung begleiten“ auf den Weg gebracht. Bei instabilen Ausbildungsverhältnissen werden Auszubildende sozialpädagogisch begleitet.

Zudem werden betriebliche Ausbilder in Konfliktmanagement und im Umgang mit schwierigen Auszubildenden geschult. Insgesamt wurden 12 regionale Vorhaben unterstützt. Dafür haben wir rund 2 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

Wir wollen die erfolgreiche Duale Ausbildung auch in anderen Ländern entwickeln, gerade dort wo eine besonders hohe Jugendarbeitslosigkeit herrscht. Deswegen unterstützen wir den Export des Dualen Ausbildungssystems mit Kooperationsprojekten mit Spanien, Italien, Rumänien, Bulgarien und der Slowakei.

Mit unseren französischen Nachbarn haben wir ein Rahmenabkommen zur grenzüberschreitenden, zweisprachigen Dualen Ausbildung geschlossen und machen das Ausbildungssystem und den Arbeitsmarkt grenzübergreifend durchlässig.

Damit der Zugang zu höchster Bildung nicht vom Einkommen oder Herkunft der Eltern abhängt, haben wir die Studiengebühren in Baden-Württemberg abgeschafft. Den Hochschulen wurden die Einnahmen komplett ersetzt (140 Mio. € p.a. aufwachsend).

Mit dem Hochschulpakt Perspektive 2020 erhalten die Hochschulen 1,7 Mrd. € zusätzlich, mehr als in jedem anderen Bundesland. Wir wollen Gute Arbeit auch in Forschung und Lehre durchsetzen, daher wollen wir keine Befristungen sondern dauerhafte Stellen und Lehrbeauftragte gerecht entlohnen.

Baden-Württemberg ist die Region mit den höchsten Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation in Europa, Land und Wirtschaft investieren hier mehr als 5,1 % des BIP (Deutschland 2,9 %).

Wir stärken die Weiterbildung. Denn nur mit Weiterqualifizierung, Anerkennung von Abschlüssen und Qualifizierungschancen insbesondere für An- und Ungelernte werden wir innovativ bleiben und zukunftssichere Arbeitsplätze erhalten.

Daher schaffen wir mit dem Bildungszeitgesetz eine gesetzliche Grundlage und Anreiz zur berufsbegleitenden Weiterbildung. Denn Beschäftigte, die sich fit für die Arbeitswelt halten wollen, müssen gefördert und nicht gehindert werden.

Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, soll es eine bezahlte Freistellung zur Weiterbildung und zur Stärkung des Ehrenamtes von fünf Arbeitstagen pro Jahr geben. Wir haben die Zuschüsse für Weiterbildung jedes Jahr weiter erhöht (insgesamt 5,5 Mio. €) und Kursgebühren für Abendschulen spürbar gesenkt.

Wir haben ein Berufsanerkennungsgesetz beschlossen, damit Migrantinnen und Migranten ihre Kompetenzen besser einbringen können. Wir wollen Flüchtlingen so schnell wie möglich einen Zugang zum Arbeitsmarkt schaffen, dazu sollen sie möglichst früh Sprach- und Integrationskurse besuchen können.


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